Geschichte

Schon zur Zeit der alten Germanen wurde der Winter vertrieben. „en Isenach bes hitt“

Geschichte des Sommergewinns

Das Sommergewinnen ist eine sehr alte Gewohnheit die als ein „Denkmal des
zerstörten Heidentums“ aus dem 10. Jahrhundert hergeleitet wird. Kaiser Otto
der Große habe 965 in seinen Landen den Befehl gegeben, die hier und da noch
vorhandenen Götzenbilder weg zu schaffen. Dies geschah auf Lätare. Daher kam es
wohl zu einer Erneuerung des Andenkens und zu der merkwürdigen Begebenheit,
dass junge Leute jedes Jahr an Lätare Götzenbilder von hässlicher Gestalt aus
den Städten unter Gesängen hinausgetragen und ins Wasser geworfen haben. Junge
Tannenbäume oder Zweige von Tannen wurden mit Verzierungen versehen und sorgsam
zu hause aufbewahrt. Auch die Bewohner vor dem Georgentor, pflegten diesen
Brauch am Sonntag Lätare, da dies für sie ein sehr festlicher Feiertag war. Da
in Thüringen das Christentum schon in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts
eingeführt wurde, scheint der Eisenacher Sommergewinn mehr eine Beziehung auf
eine andere alte Gewohnheit zu haben, wobei man als ungestaltes Bild den Winter
aus den Städten hinaustrug und eine Prozession um die Felder hielt um einen
fruchtbaren Sommer zu gewinnen.

Man sagt, dass der  Sommergewinn seinen Ursprung in einem slawischen Frühlingsfest
oder in einem germanischem Kultbrauch hat. Genaueres zum seinem Ursprung lässt sich
nicht sagen, da alle Aufzeichnungen durch einen Brand im Archiv der Stadt Eisenach im
Jahre 1636 vernichtet wurden.

Fest steht aber, dass man bereits im Altertum den Brauch des Winteraustreibens
und des Sommereinholens pflegte. Im Mittelalter wird dieser Brauch auch als
Todaustreiben beschrieben, wohl in Verbindung zur Pest. Der Brauch des
Sommergewinnens stammt aus einer Zeit, zu der man nur zwei Jahreszeiten,
nämlich Sommer und Winter unterschied.

Einer Behauptung zufolge soll im Jahre 1286 am Sonntag Lätare eine Prozession mit
Gesängen und Voraustragen eines Strohmannes am Katharinenkloster vorbeigezogen
sein. Diese Prozession kehrte nach einem Umzug über Felder, bei dem ein
fruchtbarer Sommer erbeten wurde schließlich singend und ohne Strohmann zurück.
Diesen hatte man im Wasser ertränkt. Der kirchliche Feiertag Lätare, was etwa
so viel bedeutet wie „Freuet Euch“ liegt immer drei Wochen vor Ostern.

Der älteste Bericht stammt aus dem Jahre 1704 und wurde vom Eisenacher
Gymnasiallehrer Johann Michael Koch verfasst. Dieser schreibt: “Unter den
Eisenachischen Gebräuchen, so noch jährlich allda gehalten werden, ist auch das
sogenannte und bekannte Sommergewinnen auf Lätare in der Fasten, da viele
Kinder nach der Amts- oder Hauptpredigt, auch nach denen Mittagspredigten vor
das Georgentor gehen, die ausgehenckte und in einer frischen Tanne oder Fichten
sitzende Sommerdocken sahen und sich einen sogenannten Sommer (nemlich Brezeln,
Gipstäflein mit biblischen Bildern, Bänder, an die Tannen oder Fichten Reißer
gehängt sind), kauffen und in die Stadt oder, wo sie wohnen, hintragen. Vor
fünfzig oder mehr Jahren ist hier bey noch der ärgerliche Brauch bei dem
sogenannten Sommergewinnen gewesen, dass die jungen Burschen und Mägden und
erwachsenen Kinder auf den Mittelstein gegangen, worauf sie ein Rad getrieben,
daran sie einen strohernen Mann gebunden, den sie den Todt genennet, denselben
angezündet und mit dem Rad den Berg hinunter lauffen laßen, dabey sind sie bey
die Wartenburg in den Tannenwald gegangen, haben eine gleiche und hohe Tanne
abgehauen, welche sie nachgends mit Bändern geschmückt und auf den Plan fest
eingegraben und aufgestellt haben, da den die Mannsleute nach denen Bändern
gestiegen.”

Das Rad, welches vom heutigen Metilstein hinab ins Tal gerollt wurde, wird als
Feuerrad bezeichnet und ist ein fester Bestandteil des jährlichen Festzuges.
Dieses Feuerrad symbolisiert die rollende Sonne, die Licht und Wärme nach dem
langen Winter ins Tal bringen soll.

Seit 2010 wird mit dem „Feuerradrollen der  Germanen“ am Sonntag Lätare, dieses alte
Brauchtum jedes Jahr aufs Neue zum Leben erweckt.

Seit 1897 gibt es den Festumzug, der jedes Jahr den Höhepunkt des Sommergewinns
darstellt. An dessen Ende liefern sich Frau Sunna und Herr Winter ein
Streitgespräch auf dem Eisenacher Marktplatz. Dabei unterliegt der Winter und
wird symbolisch als Strohpuppe verbrannt.

Viele Jahre fand der Festzug am Sonntag Lätare, drei Wochen vor Ostern statt,
heute veranstaltet man den Festzug am Samstag vor Lätare.